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Vorfreude am Offenbachplatz 2026

Acryl auf PVC, 200 x 1600 cm, 2026.

Künstlerische Ansprache Offenbachplatz, Frustzaun 2026 (Hannah Greis)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Vertreter*innen der Presse, sehr geehrte Anwesende,

mein Name ist Hannah Greis und ich bin eine von 8 ausgewählten Künstler*innen, die mit der Umgestaltung des Frustzauns beauftragt wurden.

„Wie war zu Köln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem“, dies schrieb August Kopisch im berühmten Gedicht 'Die Heinzelmännchen zu Köln'. Die Geschichte erzählt von kleinen Helfern, die nachts heimlich gearbeitet haben und dafür sorgten, dass am nächsten Morgen alles erledigt war.

Wenn man an den Offenbachplatz und die lange Baugeschichte der Oper denkt, dann haben sich
wahrscheinlich viele Kölner*innen irgendwann gewünscht, dass genau solche Heinzelmännchen hier
auch einmal vorbeikommen.

Ganz so heimlich arbeiten die Helfer*innen dieses Projekts allerdings nicht. Denn die Heinzelmännchen, die heute hier am Werk sind, sind Künstler*innen – und ihre Arbeit ist sehr sichtbar: direkt am Bauzaun des Offenbachplatzes. Der Bauzaun hat in den letzten Jahren intern den ziemlich eindeutigen Spitznamen: „Frustzaun“ bekommen. Und dieser Name sagt eigentlich schon alles. Der Zaun stand lange für Verzögerungen, Diskussionen und Ärger. Für viele Menschen war er weniger eine Baustelle als ein Symbol dafür, dass hier etwas nicht vorangeht.

Genau hier setzt dieses Projekt an. Die Idee ist, diesen Zaun nicht länger nur als Absperrung zu sehen, sondern als künstlerische Fläche mitten in der Stadt. Eine Fläche, auf der sich etwas verändert – von Frust hin zu Vorfreude. Denn bald wird diese Baustelle verschwinden. Und dann wird der Offenbachplatz wieder ein Ort sein, an dem Menschen zusammenkommen: für Musik, Theater, Begegnung und Kultur. Mit unseren Arbeiten geben wir Künstler*innen aus den Kölner Veedeln deshalb einen ersten Impuls zur Wiederaneignung dieses Platzes.

An diesem Projekt beteiligen sich acht Künstler*innen:
- Pablo PapeLaPab
- die Künstler*innen Sara Bouzougoi und Nensi Oueslati,
- Gizem Erdem,
- Tanja Geiß,
- Gizem Güvendag,
- Maria Seitz,
- Jeannette de Payrebrune
und ich, Hannah Greis.

Jede dieser Positionen gestaltet am Bauzaun eine Fläche von mindestens 16 Quadratmetern. Das ist
ungefähr so groß wie mein kleines Atelierzimmer. Gemeinsam entsteht dadurch eine Art offene Galerie im öffentlichen Raum, die sich direkt mit diesem Ort auseinandersetzt. Und vielleicht passt hier noch ein zweites Zitat aus dem Heinzelmännchen-Gedicht: „Denn eh’ ein Faulpelz noch erwacht, war all sein Tagewerk bereits gemacht.“

Ganz so schnell geht es bei uns Künstler*innen natürlich nicht – aber die Idee ist ähnlich: Viele einzelne Beiträge kommen zusammen und verändern Schritt für Schritt die Atmosphäre dieses Ortes. Ich kann Ihnen kurz erzählen, wie ich selbst an meinen Beitrag herangegangen bin. Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Skandal um diesen Platz - ich war 12 als die Sanierungen begonnen- habe ich mir Notizen gemacht und den Ort selbst angesehen – den Platz, die Architektur des Opernensembles und die Stimmung, die dieser Ort momentan ausstrahlt.

Dabei stellte sich für mich eine zentrale Frage:
Wie kann Kunst an diesem Ort nicht nur den Frust der Vergangenheit spiegeln, sondern auch Vorfreude
wecken?

Meine Antwort darauf war eine Komposition, die Bewegung und Erwartung zeigt. Ich habe mich dabei von Kinderbuchillustrationen inspirieren lassen, weil sie eine sehr lebendige und unmittelbare Bildsprache haben. Gleichzeitig habe ich an Figuren aus der kölschen Kultur gedacht – insbesondere an das Hänneschen-Theater und natürlich auch an die Heinzelmännchen. Die tauchen in meinem Bild auch auf: als kleine Helferfiguren, die im Hintergrund wirken. Ein bisschen so, als würden sie heimlich daran mitarbeiten, dass hier bald wieder Musik und Schauspiel abspielen und sichder Platz mit Leben füllt. So entsteht ein Bild voller Figuren, Bewegung und Erwartung – ein Bild, das versucht, den Blick nach vorne zu richten. Und genau darum geht es letztlich bei diesem gesamten Projekt. Der Bauzaun verschwindet nicht sofort. Aber seine Bedeutung kann sich verändern. Er kann von einem Symbol der Eingrenzung zu einem Ort der Gestaltung und der Vorfreude werden. Und vielleicht – ganz im Sinne der Heinzelmännchen – helfen diese acht künstlerischen Beiträge ein kleines Stück dabei, dass sich die Stimmung rund um den Offenbachplatz schon jetzt verändern kann.

Vielen Dank.

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